Ninja Gaiden Black - Xbox Classic

Die Entscheidung eines Videospielentwicklers, eine 2D-Serie in drei Dimensionen auszuweiten ist entweder eine gute Idee und sogar essenziell, um die Serie am Leben zu erhalten, oder schadet der Qualität und damit dem Ruf einer ehemals erfolgreichen Serie. Der Entschluss, Metal Slug, einem überaus erfolgreichen 2D-Shoot-’em-up, ein Metal Slug im hässlichsten 3D-Gewand als Nachkomme auf den Markt zu schmeissen, ist sicherlich letzterem zuzuordnen. Doch hin und wieder gelingt die Metamorphose von 2D zu 3D! Nintendo hat es mit Mario 64 vorgemacht und selbst die härtesten Kritiker davon überzeugt, dass der Schritt in die dritte Dimension die beste Entscheidung für eine Serie sein kann. Ähnlich ist es bei der in Japan und auch auf der restlichen Welt überaus erfolgreichen Serie „Ninja Gaiden“, entwickelt von der japanischen Spieleschmiede „Tecmo“, die 1988 im schönsten zweidimensionalen Gewand eine grosse Fangemeinde gewann und 2004 auf der Xbox eine Fortsetzung, unter der Leitung von Tomonobu Itagaki und seinem Team bekannt unter dem Namen "Team Ninja", fand. Womit sicher keiner gerechnet hatte, alleine schon aus dem Grund, weil die Xbox alles andere als erfolgreich in Japan ist und war: Eines der besten Actionspiele überhaupt erblickte das Licht der Welt! Und es kam noch besser: etwas mehr als ein Jahr später erschien „Ninja Gaiden Black“, erweitert um die herunterladbaren Zusatzinhalte des Vorgängers in Form der beiden „Hurricane-Packs“, versehen mit einer dezent verbesserten Kamera und einigen neuen Zwischensequenzen….auch neue Waffen haben den Weg ins Spiel gefunden. Die Geschichte ist jedoch die alte geblieben.

Es dreht sich alles, wie schon in den Vorgängern, um das legendäre Drachschwert, das seit ewigen Jahren von der Drachendynastie beschützt und bewacht wird. Ein Nachfolger dieser Dynastie ist der Hayabusa-Clan, auferlegt mit der Bürde, diese Waffe vor allem möglichen Dämonen-, Monster- und sogar Militär-Gesocks zu beschützen. Dass dies alles andere als einfach ist, zeigt sich, als der Hayabusa-Clan überfallen und das mächtige Schwert entwendet wird. Was braucht man in solch einer Situation? Richtig! Einen Helden, der sich der Sache annimmt, in diesem Fall Ryu Hayabusa, der Nachname lässt auf seine Herkunft schliessen. Ihr metzelt euch mithilfe Katana, Nunchaku, Bo oder sogar einem Breitschwert, um nur ein paar der vielen auswählbaren Waffen zu nennen, durch 16 grosse und vor allem sehr abwechslungsreiche Abschnitte, betrachtet durchweg ansehnliche Rendersequenzen, vergiesst hektoliterweise Blut, rüstet eure Waffen auf, löst das eine oder andere Rätsel, meistert teils haarsträubende Sprungpassagen und sammelt bis zu 50 gut versteckte Skarabäen um sie gegen Waffen etc. einzutauschen. Weit entfernet Gegner erledigt ihr mithilfe von Pfeil und Bogen, den obligatorischen Wurfsternen oder ihr greift auf Magieangriffe (Ninpo) zurück und fegt so mehrere Gegner gleichzeitig vom Schirm. Klingt alles wenig originell, weiss aber dank einem hervorragenden Kampfsystem zu begeistern. Die packenden Gefechte stehen klar im Mittelpunkt des Spiels, ergo sollte dieser Part besonders gut gelöst sein und schafft es in diesem Fall, die Konkurrenz ziemlich alt aussehen zu lassen.

Be the water, my friend…

Ich wage einen Schritt weiter und bezeichne das Kampfsystem als das beste, was mir jemals in einem solchen Genre untergekommen ist. Ich will diese These an einem Beispiel genauer erläutern und somit bestärken. Trefft ihr in diesem Spiel auf Feinde, egal wie groß oder klein diese sind, unabhängig ob es zwei oder fünf sind: Jeder Kampf hat es in sich, von der ersten Spielminute an! Doch genau das macht dieses Spiel so faszinierend! Ein Kampf kann auf zwei verschiedene Art und Weisen enden: Ihr stürmt auf die Gegner los, hämmert wie wild auf den Knöpfen herum, wundert euch, dass die Gegner so gut wie jeden Schlag blocken und vor allem Kontern, dass euch Hören und Sehen vergeht. Ein Gegner schleicht sich von hinten an euch heran, treibt sein Katana durch euren Leib und verpasst euch noch den zusätzlichen Tritt in die Eingeweide…ihr sackt zu Boden, die Lebensenergie ist drastisch gesunken. Wieder greift ihr an, vergesst zu blocken, Stahl durchschneidet euer Fleisch und ihr geht endgültig zu Boden. Ihr denkt euch: „Besser mal auf dem Schwierigkeitsgrad „Ninja Dog“ versuchen“…..etwas zu deutlich wird euch zu verstehen gegeben, dass ihr zu schwach seit, den Weg des Ninja zu gehen und bekommt ein rosa Schleifchen verpasst. Lasst es soweit nicht kommen und wählt den zweiten Weg: Prägt euch das Kampfsystem gut ein, vergesst nicht zu blocken, lernt die verschiedenen Gegnertypen kennen und übt, bis eure Finger wund sind. Rennt an der Wand entlang, springt von dieser ab und säbelt dem ersten Gegner elegant den Kopf vom Hals, blockt nach der Landung den Schlag des zweiten Gegners, vollführt eine wuchtige Combo, die mit der Enthauptung eueres Kontrahenten endet, ladet per Y-Taste euer Schwert auf…lasst ihr los, fliegen die Fetzen! Auf den letzten Widersacher stürmt ihr zu, begrüsst ihn mit einer Dash-Attacke, springt auf seinen Kopf, von dort aus an die Wand und beendet das Ganze einem wuchtigen Vertikalhieb, der einen weiteren Kopf zum Rollen bringt. DAS ist Ninja Gaiden! Erfreulich daran ist, dass die Steuerung so dermaßen perfekt funktioniert! Jeder Druck auf die Buttons wird direkt in das Spiel übertragen und ihr habt, etwas Übung vorausgesetzt, stets die volle Kontrolle über euer alter Ego. Zugegebenermaßen ist der Einstieg in das Spiel alles anders als leicht und stellt sicherlich einen Kritikpunkt dar, jedoch lohnt der Aufwand, sich in das Spiel einzuarbeiten…die Befriedigung nach einem wie oben beschriebenen Kampf, besonders nach dem Duell gegen einen der, teilweise unverschämt schweren, 22 Endgegner, ist unvergleichbar und motiviert ungemein! Habt ihr den Schwierigkeitsgrad „normal“ gemeistert, kann ich euch nur folgenden Tipp geben: Wagt euch an „hard“. Belohnt werdet ihr mit komplett neuen Gegnertypen und Zwischengegnern, auf „very hard“ winken sogar zwei neue Endgegner, die es richtig in sich haben. Wer meint, das Spiel sei auf „normal“ schon unschaffbar, meistert auf „very hard“ oder gar „hard“ nicht mal den ersten Abschnitt. Bevor ich es vergesse: Habt ihr das Spiel einmal beendet, winken 50 im Menü anwählbare Herausforderungen a la „töte alle Gegner“ etc., die sich aufgrund der teils gnadenlosen Härte bestens zu Übung eignen. Ist Ninja Gaiden zu hart, seid ihr zu schwach. Klingt hart – ist aber so, denn gerade auf den höheren Schwierigkeitsgraden und während der Challenges wird euch alles abverlangt. Viel abverlangen tut das Spiel auch der mittlerweile betagten Xbox-Hardware.

„Ninja Gaiden Black“ sieht super aus, die Steuerung ist wie erwähnt brillant, die Soundeffekt sind wuchtig, der Soundtrack…..hier scheiden sich die Geister. Neben Orchesterklängen lauscht ihr atmosphärischem Getrommel und teilweise, zugegebenermaßen sehr trashigen, Elektroklängen. Fans der Serie haben an letzteren überhaupt nichts auszusetzen und begrüssen sogar dieses Stilmittel…es gibt auf jeden Fall Schlimmeres. Was jedoch richtig überzeugt ist die phantastische Grafik. Ninja Gaiden ist mit das schönste Spiel auf der Xbox und weiss auch heute noch dank 480p-Unterstützung zu überzeugen. Ryu steuert sich absolut flüssig durch die großartig texturierten und detaillierten Umgebungen, sei es in einem lauschigen Dörfchen, entlang eines Flusses oder in einer streng bewachten Militärbasis. Zu Rucklern kommt es dabei nie. Wo ist der Haken? Ganz klar bei der teils störrischen Kamera! Diese positioniert sich teils äusserst unpraktisch und macht das Geschehen arg unübersichtlich…da hilft nur manuelles Justieren, was vor allem Anfänger überfordern dürfte. Nichts zu meckern gibt es hingegen bei den Animationen der Charaktere. Hier wurde großartige Arbeit geleistet.

Verdammt schönes, technisch perfektes, ultrahartes und vor allem mitreissendes Rache-Inferno mit perfekter Steuerung, großem Umfang und teils dezent nerviger Kamera.

Multikonsolero.de Gold Münze
Grafik91%
Sound82%
Multiplayer-
Wertung92%

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