Endless Ocean - Wii
Wer ein actiongeladenes Spiel mit viel Tiefgang, hundert Stunden Spielzeit und perfekter Technik und Grafik sucht, liegt mit Endless Ocean ziemlich daneben. Bis auf Tiefgang im übertragenden Sinn erfüllt dieses „Spiel“ die Kriterien eines anspruchsvollen Spielers nur bedingt. Es gibt kein Start und Ziel, keine Gegner und man kann auch nicht sterben.
Hier wird entspannt! Einfach mal einen ruhigen Tauchgang einlegen, ein paar Fische katalogisieren oder mit dem Hausdelfin spielen. Eigentlich kann man manchmal schon von einer Tauchsimulation sprechen.
Dem entspannenden Charakter des Spiels kommt auch zugute, dass die Figur ausschließlich mit der Remote gesteuert wird. Das funktioniert sogar recht präzise und unkompliziert. Zeigt einfach auf die Stelle des Bildschirms zu der ihr schwimmen wollt und drückt den B-Knopf um euch dorthin zu bewegen. Sämtliche Interaktion geschieht mit dem A-Knopf und Optionen erreicht man bequem über das Steuerkreuz. Die Knöpfe 1 und 2 dienen der Karte und der Blickwinkeländerung.
Eine Geschichte ist so gut wie gar nicht vorhanden. Die kleinen Storyschnipsel dienen allenfalls dem Einbinden neuer Aufträge. Das ist aber auch nicht weiter schlimm, denn eigentlich will ich beim Tauchen ja auch nicht ständig vorgeschrieben bekommen, was als nächstes passiert und was ich mir anzusehen habe. Wirkliche endlose Freiheit bietet das Spiel zwar trotzdem nicht, aber was dem geneigten Wii-Besitzer hier für knapp 30€ geboten wird verdient schon Beachtung.
Schauplatz ist das sehr variantenreiche Meer vor der fiktiven Insel Manaurai im Südpazifik, welches man mit dem Segelboot Gabbiano (welches eigentlich nur mit Motorkraft fährt) befahren kann. Bei jedem Tauchgang steht dem Spieler allerdings immer nur ein bestimmter Radius um das Schiff zur Verfügung. Schwimmt man zu weit bekommt man eine Warnmeldung. So muss man bei allen Erkundungen ziemlich oft auf das Schiff zurückkehren um einen neuen Bereich zu erschließen. Das unterbricht den Spielfluss doch erheblich! Streaming a la GTA wäre hier die Lösung gewesen.
Zudem gibt es sehr viel zu entdecken. Korallenbänke, versteckte Lagunen und Teiche, eine vollgelaufene Tropfsteinhöle, einen Tiefseebereich und sogar ein Geisterschiff warten auf neugierige Taucher. Dazu kommen unzählige Tierarten, von Clownfisch und Schmuckgarnele bis weißer Hai und Potwal. Selbst auf dem Schiff lassen sich neue Arten entdecken. Immer wieder finden sich Robben, Tölpel oder andere amphibische Lebewesen auf Deck ein.
Bis man das ganze Meer erkundet hat vergehen schon mal einige Stunden. Wenn man auch noch alle Tierarten erforschen und katalogisieren will, vergehen gut und gerne 10 Stunden, wahrscheinlich sogar eher mehr! Alle erforschten Tierarten kann man zudem in einem eigenen großen Aquarium aussetzen und sie so bewundern ohne wieder auf die Suche gehen zu müssen. Dazu kommen noch die ganzen Nebenaufträge, wie Foto für Magazine oder Tauchführungen für Wissenschaftler und Touristen. Auch kann man auf dem Achterdeck der Gabbiano mit Delfinen trainieren, zu denen man im Laufe des Spiels eine Beziehung aufgebaut hat und die dadurch zum Partner des Spielers wurden. Sobald sie Vertrauen gefasst haben kann man mit ihnen auf Tauchgang gehen und sie helfen beim Finden von seltenen Fischen oder anderen Gegenständen die es zu entdecken gilt.
Die Optik ist meist sehr ansehnlich, aber nie wirklich überragend. Oft wirken die Steilwände steril, bis man sie sich mal mittels der Detailansicht genauer angesehen hat. Das verbessert zwar die grundlegende Texturierung nicht, veranschaulicht aber sehr gut, wie es tatsächlich aussehen würde. Denn immerhin ist hier immer noch alles virtuell, auch wenn man es nach ausgedehnten Tauchexpeditionen manchmal vergessen könnte. Denn alles in allem ist dieses spielerische Wagnis doch sehr gelungen und unterhält auf sehr beruhigende Weise über Stunden hinweg. Wirkliche Überraschungen gibt es keine, dafür aber auch kaum Kritik anzumelden. Einzig die hölzernen Animationen der Figuren über Wasser wirken sehr plump im Gegensatz zur geschmeidig animierten Unterwasserwelt. Auch könnte man sich an der gewagten Musikuntemalung stören, aber die lässt sich ja zum Glück abschalten oder durch eigene Musik von der SD-Karte ersetzen. Einen großen Haken hat die Sache allerdings: Es lässt sich immer nur ein Track gleichzeitig anwählen, der dann in einer Endlosschleife abgespielt wird. Da hilft auch die Lieblingsmusik auf Dauer nicht.
Endless Ocean kann jedem aufgeschlossenen Wii-Besitzer mit Sehnsucht nach der Südsee für Zwischendurch nur empfohlen werden, auch weil es im Gegensatz zum echten Urlaub im Südpazifik ein nicht ganz so großes Loch im Portemonnaie hinterlässt.
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