Silent Hill Origins

Im Vorhinein war im Zusammenhang mit Origins viel Skepsis zu hören. Funktioniert Silent Hill auf einem Handheld? War es eine gute Entscheidung von Konami ein so wichtiges Spiels an einen amerikanischen Entwickler abzugeben? Würde man nach dem durchwachsenen vierten Teil überhaupt ein würdiges Silent Hill abliefern?

Nahezu alle Zweifel haben sich als unbegründet herausgestellt. Entwickler Climax hat es tatsächlich geschafft die beklemmende Atmosphäre auf die PSP zu bringen. Silent Hill Origins ist nicht nur eines der schönsten Spiele auf Sonys Kleiner, sondern auch ein grundsolides Horrorspiel.

Trucker Travis Grady will eine Abkürzung über Silent Hill nehmen, was sich als fataler Fehler herausstellt, als ihm ein Mädchen vor den LKW rennt, das sich später als Alessa Gillespie, bzw. deren Inkarnation, entpuppt.

Sie führt Travis nach Silent Hill, um ihren bis zur Unkenntlichkeit verbrannten Körper aus dem in Flammen stehenden Wish House, dem berühmten Waisenhaus aus vergangenen Teilen, retten zu lassen. Doch als Travis nach erfolgreicher Rettung und anschließendem Bewusstseinsverlust, wiedererwacht, scheint das Mädchen verschwunden zu sein. Und so dringt er, auf der Suche nach Alessa, immer weiter in die Geheimnisse um den Silent Hill Kult vor.

Viel Neues oder Überraschendes erfährt man dabei nicht. Im Grunde durchspielt man nur die Erzählungen über die Geschichte des Kultes aus den vorherigen Teilen. Jedoch enthüllt sich auch Travis’ düstere Vergangenheit und seine Beziehung zu Silent Hill. Besonders spektakulär ist diese allerdings nicht, soviel sei verraten.

Aber das stört auch nicht sonderlich. Geliefert wird gewohnte, wohlig schaurige Horrorspielkost. Vor allem der Soundtrack von Akira Yamaoka versetzt den Spieler gekonnt in die richtige Stimmung. Auch wenn die Klänge vom Altmeister nicht zu hören sind lassen die Soundeffekte die Knochen bis ins Mark erzittern. Die hervorragende Optik mit detailverliebt modellierten Monstern und Szenarien trägt ihren Teil dazu bei. Und die wunderschöne Ausleuchtung in Echtzeit mittels Taschenlampe hat man auf der PSP noch nicht gesehen.

Insgesamt ist das Spiel etwas actionbetonter und hektischer als man es gewohnt ist, was vor allem an den schnelleren Monstern liegt. Aber auch an der Wehrhaftigkeit des Hauptdarstellers. Selbst mit bloßen Fäusten ist Travis fast jedem Monster gewachsen. Einerseits ist zuviel Action zwar gefährlich für die Serie. Andererseits gibt es so auch etwas mehr Angst, weil man nicht mehr einfach an jedem Monster vorbeirennen kann. Viel mehr Action sollte es in jedem Fall aber nicht sein.

Unverständlicher ist allerdings, dass es die zerbrechenden Waffen gibt. Hätte es nicht auch das gute alte Stahlrohr getan? Nein, jetzt werden unzählige Waffen im Inventar herumgeschleppt, die sogar beim ersten Durchspielen nur einen sehr begrenzten Vorteil bringen. Wozu braucht man 5 Hämmer, drei Skalpelle, einen Infusionsständer, eine Stehlampe, diverse Fernseher und Schreibmaschinen, Werkzeugkisten und Eisengewichte, Katanas, Fleischerhaken und so weiter? Nicht mal ein Bruchteil davon wird wirklich gebraucht!

Auch habe ich mich beim Durchspielen ein wenig an den Spiegeln zum Weltenwechsel gestört. Was in älteren Teilen noch gezwungenermaßen geschah und ein Gefühl von Ohmacht vermittelte, liegt nun in der Hand des Spielers. Gerade dadurch sind aber auch einige der genialen Momente im Spiel erst möglich gewesen. Die Entwickler haben die Spiegel also nicht ohne Grund eingeführt.

Zuletzt könnte man sich noch an der gewählten Konsole selbst stören. Ein Handheld ist mit Sicherheit nur bedingt für die Veröffentlichung eines Horrorspiels geeignet. Aber hier verhält es sich wie bei allen Vertretern des Genres, Licht aus, Kopfhörer an und das Erlebnis ist komplett. Außerdem ist eine Umsetzung für die PS2 bereits angekündigt.

Die Steuerung funktioniert nach dem 2D-Prinzip, das bedeutet, Travis läuft immer dahin wo die Steuerscheibe hingeschoben wird. Das ist direkter und funktioniert intuitiver, als die Steuerung in den ersten drei Teilen, bringt aber ein kleines Problem mit sich. Beim Szenenwechsel läuft die Figur oft wieder zurück oder in eine völlig falsche Richtung. Das kann schon mal nerven. Die restlichen Kontrollen funktionieren alle tadellos und sind bis auf ein paar Kleinigkeiten von den Vorgängern übernommen und schnell in Fleisch und Blut übergegangen.

Trotz aller Kritik ist Silent Hill Origins ein gelungenes Prequel und der Spielspaß überwiegt in jedem Fall die kleinen Mängel. Nur hätte es doch etwas umfangreicher sein dürfen. Fünf bis sechs Stunden zum ersten Durchspielen gehen schnell vorbei.

Multikonsolero.de Silber Münze
Grafik90%
Sound91%
Multiplayer-
Wertung88%

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